Die Auswahl dieser Titelseiten spricht für sich , ohne das es weitere Erläuterungen oder Aufbereitungsmittel bedarf. Das bloße Konzept der Art und Weise der Selektion ,Konfrontation und Präsentation auf dem Boden liegend wie Grabplatten , mit weißen Friedhofskieseln beschwert ,gleichsam festgenagelt beinhaltet die wesentlich künstlerische Leistung. Die Idee aus einer Sammlung von „Bild“ Titelseiten die Installation „Nachrufe“ zu entwickeln , wurde über einen Zeitraum von mehr als Zehn Jahren umgesetzt, im wesentlichen besteht die Arbeit aus Zeitungen , die Goldenstein selbst aus anderen Gründen gekauft oder zufällig erworben hat , später kamen gezielte Ankäufe hinzu. Nichts veranschaulicht den Umgang mit Todesnachrichten als Ware besser als die beiden Titelseiten einer Zeitung vom selben Tage des Jahres 1999:
In der Frühausgabe der opulente Kasten über den Tod des Schauspielers Horst Frank mit dem pathetischen , scheinheiligen , mitleidsvollen Titel: „JA ERLÖST IHN JETZT! –UM 21:15 SCHLIEF ER EIN“, in der Spätausgabe war plötzlich anders wichtig , zu seinem Tod nur noch ein kleiner Kasten , verdrängt von einem neuen Aufmacher:„ OH NO! 13 SEKUNDEN FEHLTEN , BAYERN – MANCHESTER 1:2 .“ Mit am teuersten in der Redaktion eines Boulevardblattes sind bekanntlich die Headline und Fotoverantwortlichen. Bei denen kommt Rühmann und Riefenstahl gut weg.
„Unser Affe Charly“ auch. Von Beate Uhse erfährt man, wesentlich kleiner, sie sei heimlich begraben worden , man ergänze: Kein Wunder bei der Schande. Maria Schell darf im Tode noch schön sein, ein Foto aus den besten Jahren, von Hildegard Knef ,“ der Sünderin“ zeigt man indes, das letzte Foto der sterbenden. Und Arafat? Unter einer riesigen Nackten findet sich ein Foto und die Nachricht , Ihn habe man in ein Betonsarg gesteckt.
De mortuis nihil nisi bene_- über die Toten nur das Gute ?
R. Rakow
Oldenburg
( Auszug aus der Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Kopf-Haus-Boot-Tod“ in der „Galerie im Zollhaus“ Leer –2006)




